5 Jahre "Nana - Recover your smile e.V."

Als am 10. Januar 2012 unsere Vereinsgründerin Nana Stäcker verstarb, bedeutete dieser Tag für ihre Familie und ihre Liebsten, dass von nun an ein wichtiger Mensch in ihrer Mitte fehlen wird – ein ganzes Leben lang. Doch der Verlust von Nana ist gleichzeitig ein Anfang – ihre Vision von Recover your smile wurde schon bald in der Vereinsgründung umgesetzt und Nanas Idee wurde in die Welt hinaus getragen:  Schön, trotz Krankheit.  Stark, trotz Krise. Mutig, trotz Makel.
 
Nana berührte in den vergangenen fünf Jahren viele Menschen: Wenn über sie berichtet wurde, wenn sich jemand an unserem Stand auf einer Tagung informierte, ihr Buch las, oder auf Facebook auf ihre Fotos stieß.
 
Natürlich stellten sich viele die Frage nach dem „Warum“?

Warum wird ein junger Mensch so schwer krank? Warum musste sie gehen, wo sie noch so vieles vorhatte? Wo liegt denn hier der Sinn? Eine unbeantwortbare Frage, bei der gleichzeitig eine Gegenfrage erlaubt sei: Was ist denn der Sinn unseres Lebens? Ein hohes Alter? Dass man möglichst viel erlebt? Jede Menge Geld verdient - und wieder ausgibt? Was für jeden Einzelnen und jede Einzelne für uns sinnstiftend ist, können wir nur selbst entscheiden.
Nanas Sterben als junge Frau, die „alles noch vor sich hat“, erinnert uns sicherlich daran, wie kostbar, wertvoll und zerbrechlich unser Leben ist. Und, dass man nicht 100 Jahre alt werden muss, um Spuren zu hinterlassen.
 
Veränderung als Chance begreifen
Nanas Idee hat inzwischen fast 600 Frauen und Männern in einer schweren Zeit ihres Lebens einen Lichtblick verschafft. Mit jedem Foto, das in der Vereinsarbeit entsteht, multipliziert sich der Gedanke, dass Krebs mehr ist als Glatze, Krise, Angst. Vorher nicht wahrgenommene Optionen können sich eröffnen. Aus Haltung kann Halt erwachsen – und Hoffnung. Sie inspirierte andere, an die Öffentlichkeit zu gehen, mit ihren Geschichten, Bildern, Videos und jedes Mal erwächst daraus ein Stückchen mehr Mut.
 
Darüber hinaus entfaltet sich Nanas Vorbild noch in einer anderen Dimension: Sie fokussierte sich in den letzten Monaten ihres kurzen Lebens nicht nur auf ihr eigenes Schicksal, sondern auch auf das von anderen. Sie selbst hatte erlebt, wieviel Kraft es ihr gegeben hatte, als Model vor der Kamera zu stehen. Wieviel Spaß die Shootings machten, wie wichtig es war, wieder eine Aufgabe zu haben und wie nachhaltig sich die entstandenen Bilder auswirkten. Sie sah selbst, was ihr der Krebs nicht hatte rauben können: Ihre Schönheit, Persönlichkeit und Ausstrahlung.
Daher wollte sie ihre besonderen Erfahrungen anderen zugänglich machen mit einer Initiative: Kostenloses Schminken und Fotografieren für Krebserkrankte. Sie produzierte Werbefotos, erstellte Grafiken und fand den Namen: „Recover your smile“. Auf der offenen Krebskonferenz im September 2011 präsentierte sie gemeinsam mit der Make-up Schule Lilly meets Lola ihr Konzept, obwohl Chemotherapie und Krankenhausaufenthalte anstanden und sie angefangen hatte, ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln.
Eine Frage der Perspektive
Es wäre absolut nachvollziehbar gewesen, hätte sie in dieser Phase nur auf sich geschaut. Doch ihr Blick richtete sich auf Andere. Sie erkannte, dass sie nicht die Einzige war, der es schlecht ging, die mit Zweifeln, Traurigkeit und Furcht zu kämpfen hatte.
Nanas Erbe beinhaltet daher weit mehr als den Aspekt des neuen Gesichts, das sie der Krankheit „Krebs“ gegeben hat.
Sie erinnert uns daran, dass jedes Leben endlich ist. Dass es manchmal sogar verdammt kurz sein kann. Sie mahnt uns, unseren Blick zu erweitern. Sobald wir diesen aus unserem persönlichen kleinen Mikrokosmos erheben, gibt es nämlich viel zu entdecken:
 
Auch andere haben ihr „Päckchen zu tragen“. Auch andere leiden unter starken Schmerzen. Auch andere tragen große Trauer in sich.
 
Wenn wir auf einander zugehen, uns die Hand reichen, uns zuhören, können wir uns vielleicht gegenseitig helfen. Mit Sicherheit werden wir uns besser verstehen.
Nana schenkte uns nicht nur das Lächeln, sondern auch die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für andere. Vielleicht ist dies der Schlüssel zu dem durchschlagenden Zuspruch, dem ihre Idee posthum zu Teil wurde.
 
So möchten wir dieses Jahr beginnen mit einem Gedanken: Starten wir 2017 mit Achtsamkeit. Auf uns selbst – und auf andere.

 

Bildergalerie

Mut

Nana mit ihrer Mutter Barbara

Nana by Frank Jagow